Ob der Märtyrer (für viele indische und nicht wenigesrilankische Tamilen) ein Terrorist war oder nicht

Anant Kumar am 17. Juni 2009

Nach dem Tod des Gründers von LTTE seien bitte die Minoritäten und Majoritäten mit ihren Emotionen nochmals gemahnt.

Prolog: Als nordindische Kinder sympathisierten wir mit der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) aus nationalistisch-kulturellen Gründen, weil einerseits die Tamilen Hindus sind und andererseits das von uns 3000 km entfernte südindische Bundesland Tamilnadu mehrheitlich von Tamilen bevölkert ist.

I. DER GRUND/ DAS MOTIV DER TAMILISCHEN MINDERHEIT IN SRILANKA

Es geht ausschließlich aufs Konto von Velupillai Prabhakaran und seinen Tigers, dass die tamilischen Minderheiten unter allen anderen in der Welt überproportional mit ihrer Agenda bekannt wurden. Sie wurde in die ganze Welt im wortwörtlichen Sinne von den Anführern der Tigers transportiert, nämlich, dass die Tamilen im Norden und teils im Osten und im Westen Srilankas ihren eigenen, unabhängigen Staat gründen möchten.

Ob die Tamilen mehr Autonomie oder mehr Rechte in der Koexistenz vom srilankischen Staat erlangen wollten, kam in dem polarisierten Krieg nie rüber. Über die Berechtigung jenes Grundes wurde unter den Medienintellektuellen wenig diskutiert, auch weil die Tamil-Tigers im Gegensatz zu vielen anderen Minderheiten in der Lage waren, das Staatsmilitär äußerst gut in Schach zu halten. Sogar die eigenen Verluste ließen sich mit der verheerenden Wirkung der Suizidbomberinnen gut ausgleichen.

II. DER FALSCHE WEG UND DIE VERKEHRTE DURCHFÜHRUNG

Wie im ersten Absatz angedeutet, kam hinzu, dass die Tigers alias LTTE ihren Weg mit absoluter Waffengewalt gegen die Regierung samt ihrem Funktionsapparat beschritten: Etwa 80,000 Tote auf beiden Seiten in den letzten 25 Jahren, darunter 4000 gefallene Frauen-Tigers.

Obwohl die indischen, deutschen, srilankischen Presseorgane an den einzelnen Beispielen nicht richtig zeigen konnten, dass oder ob der srilankische Staat die tamilischen Minderheiten im Land systematisch verfolgt, vertreibt oder sogar eliminiert, glaubt der Verfasser dieses Aufsatzes, dass die Tamilen in Srilanka im gewissen Maße bezüglich ihrer Sprache, Kultur und Berufschancen diskriminiert und unterdrückt wurden und werden. Dagegen müsste, und da es bis jetzt derlei nicht geschehen ist, muss gekämpft werden – ohne Waffen und ohne blutrünstige Revanche.

Mir ist auch wenig bekannt darüber, wie viele friedliche, politische Anführer der Tamilen von der Zentralregierung verfolgt und gefoltert wurden oder wie viele demokratische, friedliche Proteste und Hungerstreiks es auf den Straßen von Colombo gab, die die Regierungstruppen niedergemetzelt hätten.

In der Zauberkiste sah ich immer wieder die Kampfzonen, und die Berichte teilten mir mit, dass die zivile Bevölkerung ungeheuerlich zu leiden habe, da die tamilischen Gebiete im Norden von der srilankischen Armee schonungslos bombardiert wurden. Das Internationale Rote Kreuz beschwerte sich über die Schwierigkeiten bei der Lieferung ihrer Hilfsgüter. Alles mag seine Gültigkeit in Anspruch nehmen.

Wie lange wurde das beträchtliche Gebiet im Norden im Besitz der Rebellen gehalten und mit welchem Konsens wurde die zivile Bevölkerung von LTTE als Humanshield gebraucht, darüber gibt es wenig Literatur während der letzten 25 Jahre. Ja, die Tigers konnten sich durchaus im Norden als Staat im Staat behaupten. Mit voller Souvernität, sogar mit vier Flügeln ihrer Streitkräfte: See Tigers (Marine), Air Tigers (Luftwaffe), Tigers (Bodeneinheiten) und Black Tigers (Spezialeinheit der Suizidbomber).

III. INDIEN – LIBERATION TIGERS OF TAMIL EELAM – SRILANKA

Das indische Bundesland Tamilnadu im Süden hat gegen die Zustimmung von Neu-Delhi LTTE mal mehr und mal weniger mit Geld und Waffen versorgt. Es gibt unter den Indern auch die radikalen Tamilen, die den Fall mit dem Unabhängigkeitskampf von Ost-Timor und Bangladesh vergleichen, und sie lassen ihre Schimpftiraden darüber los, dass Indien militärisch nicht eingreift oder sogar als Peace Keeping Force gegen die tamilischen Rebellen in Jaffna gestanden hat.

Dass Neu-Delhi vom Anfang an für eine diplomatisch-demokratische Lösung plädierte, bekam dem Rebellenchef Prabhakaran allzu sehr schlecht, und er ließ in seinem Wahn den damaligen indischen Primärminister Rajiv Gandhi bei seiner Rede im Bundesland Tamilnadu durch eine Suizidbomberin von LTTE in die Luft jagen.

Die wenigsten verbalen, wirtschaftlichen und territorialen Spannungen hatte Neu-Delhi in den letzten Jahren mit dem Nachbar Srilanka, obwohl die Insel, die Perle des indischen Ozeans, wie die anderen Nachbarn Indiens (Pakistan, China, Nepal, Bangladesh, Myanmar, …) mit Indien eine unmittelbare gemeinsame kulturelle Entwicklung teilt. Das sollte den Indern ausreichen, ihren bisherigen Kurs zu Srilanka fortzusetzen bzw. positiv auszuweiten.

IV. DIE RELIGIONEN UND DIE KULTUREN

Wer solle daran zweifeln, dass die tamilische, hinduistische Kultur samt ihren Texten, Musikkompositionen, gigantischen Tempelanlagen, … zu den ältesten und reichsten Zivilisationen der Welt gehört, die zu einer weiteren positiven Entwicklung der Welt einiges beisteuern kann? Ebenso die buddhistische Kultur, die einige hundert Jahre jünger sein mag, kann zur Erneuerung, zum Bescheidenen, zum Einfachen vielleicht mehr beitragen.

Und natürlich sollte die tamilische Sprache mehr an Bedeutung mehr am Gewicht in Srilanka und in Indien gewinnen. Mit allen anderen anerkannten Sprachen der Verfassung neben der ersten Nationalsprache Indiens, Hindi. Weil die Tamilen sich in dieser Hinsicht benachteiligt fühlen, sollten sie ihre Stimmen noch lauter erheben. Die Mehrsprachigkeit ist ein großer Gewinn und zugleich eine große Chance für die Inder, die sie de jure und de facto umsetzen sollten.

Bei all diesen Forderungen sollten sie ihre Waffen ruhen lassen. Das gilt auch für die Regierung in Srilanka.

VANAKKAM! AYUBOWAN! NAMASKARAM!
(Begegnungsbegrüßungen in Indien und in Srilanka)

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