Chris Burden zu Gast im Antwerpener Skulpturenpark Middelheimmuseum
Marc am 4. April 2009
(30.5. – 27.9.2009)
Im Sommer 2009 ist dem US-amerikanischen Künstler Chris Burden im Antwerpener Skulpturenpark Middelheimmuseum eine Ausstellung mit Plastiken und Installationen gewidmet. Am Eröffnungstag, dem 30. Mai, findet außerdem die spektakuläre Live-Installation von Beam Drop Antwerp statt: Aus einer Höhe von 35 Metern lässt Burden Metallbalken in eine mit weichem Zement gefüllte Grube fallen.
Chris Burden (*1946 in Boston, Massachusetts) ist eine Schlüsselfigur der Gegenwartskunst. Seine Performances der 1970er Jahre haben die Möglichkeit dieser Kunstform neu definiert, die Skulpturen und Installationen, die er später schuf, die Grenzen dessen verlegt, was in der bildenden Kunst physikalisch machbar ist.
Kunstgeschichte machten seine frühen Performances. Für „Shoot“ (1971) ließ Burden sich von einem Freund in einer Galerie durch den Arm schießen, für „Trans-fixed“ (1974) in der Haltung eines Gekreuzigten auf das Dach eines VW-Käferns nageln. Damit legte er nicht nur die Basis für seinen Ruf als Kunstrevolutionär; er schuf darüber hinaus (und paradoxerweise) bereits zu Beginn seiner Laufbahn einige Ikonen der zeitgenössischen Kunst.
Später wandte Burden sich der Installation und der Plastik zu. Seine Arbeiten zeugen von einem enormen technischen Erfindungsreichtum, einem unübertroffenen Sinn für Details und von der Gabe, die Betrachter zu verblüffen. Ob er seinem Körper das Äußerste abverlangte, aus Elementen eines Metallbaukastens Nachbildungen von Brücken und Wolkenkratzern baute, Kosten sparende Fahrzeuge oder sich selbst navigierende Yachten entwarf oder eine Dampfwalze fliegen ließ: Stets versuchte er aufs Neue, die Gesetze der Physik zu entkräften. Indem er den psychologischen Einfluss seiner Aktionen und Objekte auf ihre Umgebung untersuchte, setzte Burden die Beziehung zwischen Künstler und Betrachter unter den größtmöglichen Druck.
Die Ausstellung im Middelheimmuseum verdeutlicht, dass sich die Formensprache des Künstlers seit den ersten Performances tief greifend verwandelt hat, aber das seine Werke noch immer von den gleichen Basisideen durchdrungen sind. Sie bietet den Besuchern eine einzigartige Kombination von frühen Werken und einigen seiner jüngsten Arbeiten.
Beginn und gleichzeitig Höhepunkt der Ausstellung ist die Beam Drop Antwerp am Samstag, dem 30. Mai 2009. Die Live-Installation ist der physische Ausdruck der Idee, eine große abstrakte expressionistische Skulptur zu schaffen, bei der der Zufall und die Schwerkraft die entscheidende Rolle spielen. Der erste Beam Drop wurde 1084 im Art Park in New York durchgeführt. 1987 wurde das Kunstwerk zusammen mit dem Art Park durch die amerikanischen Behörden zerstört.
Im Middelheimmuseum lässt Burden rund sechzig Metallbalken, von denen einige eine Länge von 12 Metern und ein Gewicht von 1000 Kilogramm haben, aus großer Höhe in eine mit weichem Zement gefüllte Grube fallen. Jeder Balken wird 35 Meter hochgehievt und dann mithilfe eines speziell für diesen Zweck entworfenen Mechanismus’ gelöst. Der Effekt der Schwerkraft, angewandt auf diese massiven Baumaterialien, ist für die Zuschauer ebenso natürlich wie die Hand eines Künstlers beim Schaffen eines konventionellen, abstrakten, expressionistischen Gemäldes. Die Installation ist dem Publikum am 30. Mai von 10 bis 20 Uhr zugänglich.
Aus Stahl sind auch die ganz anders gearteten Arbeiten, die im Braem-Pavillon und im Schloss Middelheim zu sehen sind. Chris Burden zeigt hier eine Auswahl seiner maßstabsgetreuen Nachbildungen von berühmten Brücken wie der Victoria Falls Bridge, der Tower Bridge in London, der Antique Bridge oder der Indo-China Bridge, die er aus den Bauteilen des Metallbaukastens Meccano und seiner amerikanischen Variante Erector herstellte. So pur und einfach sie aussehen, so ingeniös sind sie montiert. Da für die Nachbildungen der Brücken – die allesamt architektonische Meisterwerke sind – nur eine sehr beschränkte Auswahl an Spielzeugelementen zur Verfügung stand, zeugen sie von hoher technischer und künstlerischer Kreativität. Einerseits handelt es sich um fast klassisch zu nennende Skulpturen, andererseits verleihen sie dem Begriff „Bildhauer“ eine völlig neue Dimension. Weiter stellen fünf Videoinstallationen die Skulpturen in den Kontext des Werks des Künstlers.
Mit der Live-Installation, den Videos und den Plastiken von Chris Burden bringt das Middelheimmuseum im Sommer 2009 abermals eine spektakuläre Ausstellung. Sie ist einem Bahn brechenden Künstler gewidmet, der vor dreißig Jahren die Kunstgeschichte tief greifend beeinflusste und die Kunst noch heute immer wieder neu erfindet.
Praktisch
Chris Burden
30.5. – 27.9.2009
Live-Installation Beam Drop Antwerp: 30.5.2009 von 10 bis 20 Uhr
Middelheimmuseum
Middelheimlaan 61
B-2020 Antwerpen
Tel. +32 (0)3 828 13 50 / +32 (0)3 827 15 34 / Fax +32 (0)3 825 28 35
middelheimmuseum@stad.antwerpen.be – www.middelheimmuseum.be
Zugänglich für Rollstuhlfahrer
Elektrowägelchen stehen nach vorheriger Anmeldung zur Verfügung.
Öffnungszeiten
Mai und August 10.00 à 20.00 Uhr
Juni und Juli 10.00 à 21.00 Uhr
September 10.00 à 17.00
Eintritt
frei
Extras
- Besucherfaltblatt
- Katalog
- Gruppenführungen – Anmeldung erforderlich
- Workshops und Ateliers für Erwachsene und Kinder
- Museumsshop
- Öffentliche Führungen an jedem 2. Sonntag jedes Monats 14.00 à 16.00 Uhr
- Sommerspaziergänge an jedem 2. Donnerstag des Monats 18.00 à 20.00
- Dokumentationszentrum Bürgermeister Lode Craeybeckx
Schlagworte: Antwerpen, Gegenwartskunst, Live-Installation, Museum, Performance, Skulpturen
Kategorie: Kunst
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